Hausarzt oder Halbe – Dauerwelle

Eigentlich wollte ich nie meine Patienten mit Problemen belästigen, die meine Abrechnungen mit den Krankenkassen anbetrifft. Aber mittlerweile ist die Honorierung unserer Tätigkeit so lächerliche gering, dass die Existenz der ambulanten Versorgung gefährdet ist. Wir Hausärzte in NRW erhalten für die Betreuung unserer Patienten über ein Quartal maximal 32,- Euro. Hiervon werden alles unsere Kosten bezahlt. Die Miete, Strom, Gas, Wasser, unsere Arzthelferinnen, der Steuerberater, das Verbandsmaterial, Medikamente, die wir in unserer Praxis verabreichen. Und schließlich haben wir auch Familien, die leben wollen. Stellen Sie sich das einmal vor, für gerade 10 Euro im Monat sollen wir an fünf Tagen rund um die Uhr erreichbar sein, EKGs schreiben, bettlägerige Patienten im Heim oder zu Hause besuchen, chronisch Kranke Patienten mehrmals im Quartal untersuchen, behandeln, beraten. Wenn Sie Sorgen und Probleme haben, versuchen wir in einem angemessenem Rahmen für Sie als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. Für 10 Euro “Flatrate” im Monat. Ein Hausbesuch wird mit ca. 15 Euro vergütet, aber nur dann, wenn 30 Euro pro Quartal nicht verbraucht sind, sonst gibt es nichts dafür. Haben Sie als Versicherte, die viel Geld für Ihre Krankenkassen zahlen, nicht auch das Recht, dass Ihr Hausarzt so bezahlt wird, dass Sie ein nicht gestresste Arzthelferin antreffen, dass die Geräte auf dem aktuellem technischen Stand sind, dass Ihr Hausarzt genügend Zeit für Sie aufbringen kann, und dass er die Hausbesuche zumindest so bezahlt bekommt, wie der Klempner, der Elektriker oder der Schlüsseldienst, der zu Ihnen nach Hause kommt? Halten sie den Preis für eine halbe Dauerwelle pro Quartal (drei Monate) als Honorar für angemessen oder doch eher die 85,- die der Hausärzteverband von den Krankenkassen einfordert. Schauen Sie sich die Büros der Versicherungen an (z.B. das neue Gebäude der BKK-aktiv an der Unistrasse) und vergleichen sie die 30,- Euro der Leistungserbringer damit. Was ist Ihnen eine wohnortnahe Versorgung und eine ganzheitlich-umfassende Hausarzt Medizin wert?

Comments (2)

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Daniel Holthaus März 16, 2009 um 00:01

Hallo,

erst einmal ein Lob für den Artikel. Ich habe mich auch schon mehrfach gefragt wo geht das viele Geld das mir auf der Lohnabrechnung abgezogen wird hin. Ein beachtlicher teilt geht für Die KV (Krankenversicherung) drauf.

Wenn ich jetzt lese was eine Praxis Pro Patient/Quartal bekommt (nicht pro Behandlung sondern PATIENT) dann ist das ein tropfen auf den heißen Stein. Das heißt wenn ich in einem Quartal 3-mal zum Arzt gehe bekommt er 10 Euro pro Behandlung. Dies ist wie ich finde eine Frechheit. Wie bereits erwähnt bezahlen sich die Gerät das Personal und Strom Wasser Gas NICHT von alleine. Und jeder weis was Medikament kosten welche die Praxis auch noch da haben müssen. Was bleibt dann für den Arzt? Hmm mal eben rechnen… NICHT VIEL.

Wenn ich zum Arzt gehe erwarte ich einen gut gelaunten Arzt. Das stelle ich mir schwer vor bei diesen zahlen. Nun weis ich nicht was für einen Arzt übrig bleibt aber Arbeiten Sie für einen Euro pro Stunde oder würden das und wären dabei glücklich und zufrieden.

Ich denke nicht.

Denken sie mal darüber nach wo geht das ganze Geld hin was Ihnen vom Lohn abgezogen wird. Ich sage es ihnen. In Prächtige Glasbauten von BKK und co und in dessen oberen Etagen in die Taschen der Vorstandsvorsitzenden. Aber leider nicht zu den Ärzten die es brauchen um Die Praxen auf dem neuesten Stand zu halten und eine Person mehr einzustellen und die anderen zu entlasten.

Denken sie mal darüber nach.

Du bist Deutschland…. BLA BLA. Du hast ein Marodes Gesundheitssystem.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit

Mit freundlichen Grüßen:
Daniel Holthaus

admin März 16, 2009 um 11:30

Hallo Herr Holthaus,
vielen Dank für den ersten Kommentar in diesem Blog.
Ich denke, dass es wirklich wichtig ist für alle Versicherten, zu schauen, wo die Beiträge versanden. Dass für immer mehr Beitröge immer weniger Leistungen geboten werden und die, die für Ihre Gesundheit Sorge tragen, mit einem Flat-Rate Minilohn auskommen müssen.
Grüße aus Wattenscheid
Jörg Vogt

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